Nicht-operative Behandlungsoptionen

Für die nicht-operative Behandlung der Kniearthrose hat die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie kürzlich eine neue Leitlinie herausgegeben. Die wichtigsten Empfehlungen hieraus sind:

  • Nicht-steroidale Antiphlogistika (NSAR, z.B. ASS, Diclofenac, Ibuprofen) sollten aufgrund ihrer Unverträglichkeiten und Nebenwirkungen bei oraler Einnahme nur über einen kurzen Zeitraum eingenommen werden.
  • Zu Beginn der Therapie ist der Einsatz als Salbe zu bevorzugen.
  • Weiterhin werden nicht-medikamentöse, nebenwirkungsarme Maßnahmen wie Bewegungstherapie und Entlastungsorthesen (Unloader Braces) empfohlen.

Auch die OARSI (Osteoarthritis Research Society International) eine anerkannte internationale Gesellschaft, die sich mit der Erforschung der Arthrose beschäftigt, hat für die nicht-operative Behandlung detaillierte Behandlungsempfehlungen ausgegeben. Hierbei unterscheidet sie zwischen Basisbehandlungen, die für jeden Patienten geeignet sind und speziellen Behandlungen, die abhängig vom Patiententyp sind.

Basisbehandlungen:

  • Selbstmanagement und Patientenschulung
  • Bewegungsübungen an Land und im Wasser
  • Gewichtsmanagement
  • Krafttraining

Je nach Patiententyp werden weitere Behandlungsoptionen empfohlen.

Für Kniearthrose-Patienten ohne Begleiterkrankungen:

  • Biomechanische Hilfsmittel (wie eine Knieorthese oder Einlagen)
  • Kortison-Injektionen in das Kniegelenk
  • Entzündungshemmende und schmerzlindernde Salben und Pflaster
  • Gehhilfen
  • Entzündungshemmende Schmerztabletten (NSAR + COX2-Inhibitoren)
  • Capsaicin Salben oder Pflaster

Für Kniearthrose-Patienten mit Begleiterkrankungen:

  • Biomechanische Hilfsmittel (wie eine Knieorthese oder Einlagen)
  • Kortison-Injektionen in das Kniegelenk
  • Entzündungshemmende und schmerzlindernde Salben und Pflaster
  • Gehhilfen

Als Begleiterkrankungen werden die folgenden Erkrankungen eingestuft: Diabetes, Bluthochdruck, kardiovaskuläre Erkrankungen, Nierenversage, gastrointestinale Blutungen, Depressionen oder eine physische Behinderung, die die Aktivität einschränkt, hierzu zählt auch Adipositas.

Im Folgenden erklären wir die oben aufgeführten Behandlungsoptionen.

Basisbehandlung

Die Basisbehandlung beinhaltet Empfehlungen, die für alle Kniearthrose-Patienten in Frage kommen. Zuerst einmal ist es wichtig, dass Patienten, bei denen eine Arthrose diagnostiziert wurde die Erkrankung und den Einfluss der Erkrankung auf ihr Leben verstehen. Hierzu zählen auch möglichweise erforderliche Anpassungen des Lebenswandels.

Aktiv zu bleiben ist sehr wichtig für Arthrosepatienten, da die Bewegung die Muskeln stärkt und die Gelenke stabilisiert. Geeignete Sportarten bei Kniearthrose sind Wandern, Nordic Walking, Radfahren oder auch Indoor Cycling, Yoga, Tai Chi, Qigong, Schwimmen (Kraulen oder Rückenschwimmen), Wassergymnastik und Skilanglauf. Es gibt auch spezielle Übungen für Kniearthrose-Patienten, die die Muskeln kräftigen und die Beweglichkeit verbessern.

Auch die Ernährung spielt bei Kniearthrose eine wichtige Rolle. Hierbei geht es nicht nur um das Gewicht, sondern auch um die Reduktion von Entzündungen und den Schutz des Knorpels.

Medikamentöse Therapie (NSAR, COX-2, Duloxetine)

Für die Behandlung von akuten Schmerzen werden zumeist Schmerzmittel wie NSAR (nicht-steroidale Antirheumatika) eingesetzt. Nicht-steroidal bedeutet, dass kein Kortison enthalten ist.

Der Vorteil von NSAR und COX-2 Hemmern ist der schnelle Wirkeintritt. Innerhalb weniger Stunden werden Schmerzen gelindert, entzündliche Schwellungen reduziert und die Beweglichkeit verbessert. Aber NSAR haben auch Nachteile. Sie können Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Bauchschmerzen haben und zu einer Magenschleimhautentzündung oder einem Magengeschwür führen. Diese Nebenwirkungen konnten bei den COX-2 Hemmern, die selektiver wirken reduziert werden. Jedoch sollten sowohl NSAR als auch COX-2 Hemmer nicht von Patienten mit Herzproblemen und generell nicht über einen längeren Zeitraum eingenommen werden.

Duloxetine ist ein Seroton-Norephinephrin Reuptake Inhibitor (SNRI), welcher neben anderen Indikationen zum Management chronischer Arthrose-Schmerzen eingesetzt wird. Er sollte nur in zweiter Instanz nach dem Versagen anderer Behandlungsoptionen eingesetzt werden. Der Nutzen muss sorgfältig gegenüber möglichen Nebenwirkungen wie Übelkeit, Mundtrockenheit, Schläfrigkeit, Müdigkeit, Verstopfung, eingeschränktem Appetit und Hyperhidrose abgewogen werden.

Salben und Pflaster (NSAR, Capsaicin)

Auch anti-inflammatorische Salben oder Pflaster können Knieschmerzen lindern. Die Wirkung ist im Vergleich zu Tabletten zwar eingschränkt, aber auch die Nebenwirkungen sind geringer.

Capsaicin ist die aktive Komponente des Chilipfeffers und wird in Salben und Pflastern für eine temporäre Schmerzlinderung bei muskulären Beschwerden und Arthrose eingesetzt. Lokal begrenzte Nebenwirkungen sind häufig und werden meist als brennendes Gefühl der Haut beschrieben..

Kortison-Injektionen

Bei schmerzhaften Entzündungen mit Gelenkerguss können Kortison-Injektionen eine effektive Therapieoption sein. Zuerst wird der Erguss punktiert, um den Druck im Gelenk zu reduzieren. Das im Anschluss injizierte Kortikosteroid wirkt im Inneren des Gelenks und reduziert die Entzündung der Synovialmembran. Die intra-artikuläre Injektion von Kortison hat weniger Nebenwirkungen als eine orale Einnahme. Sie sollte jedoch trotzdem auf maximal vier Therapien pro Jahr begrenzt werden, da es Hinweise gibt, dass das Kortison den Knorpelabbau beschleunigen kann.

Biomechanische Interventionen

Langfristig ist es wichtig das Gelenk vor weiterer Schädigung zu schützen und eine Operation möglichst lange zu verhindern. Arthrose-Patienten mit einer lateralen oder medialen Gonarthrose können von einer Entlastungsorthese profitieren. Die Orthesen entlasten die betroffenen Bereiche des Knies durch korrigierende Zugkräfte. Sie können auch die Propriozeption und Stabilität verbessern.

Früher waren Knieorthesen unförmig und unbequem zu tragen. In den letzten Jahren wurden jedoch neue Modelle entwickelt, die deutlich schlanker und unauffälliger sind und deren Wirksamkeit in Studien nachgewiesen wurde. Wichtig ist, dass die Tragezeit der Orthesen langsam erhöht wird, da es sonst zu Hautirritationen kommen kann.

Eine weitere Option bei unikompartimenteller Gonarthrose sind Einlagen. Diese entlasten ebenfalls das betroffene Areal, können jedoch nicht die Stabilität des Kniegelenkes verbessern und führen eventuell zu Problemen im Sprunggelenk.

Gehhilfen

Gehhilfen, wie ein Gehstock oder ein Rollator, können eingesetzt werden, um Gewicht vom betroffenen Knie zu nehmen. Sie können die Schmerzen reduzieren und die Stabilität verbessern.

Weitere Therapien

Es gibt noch eine Reihe weiterer Therapien, unter anderem Nahrungsergänzungsmittel (Glucoamin), Akupunktur, Stammzellentherapie oder manuelle Therapie, die bei Arthrose helfen können. Sie werden derzeit nicht in den Behandlungsrichtlinien empfohlen, da noch keine ausreichenden Nachweise zu ihrer Wirksamkeit vorliegen.

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