Arthroskopie vs. Osteotomie vs. Kniegelenkersatz

Wenn bei Ihnen eine Kniegelenksarthrose diagnostiziert wurde, werden Sie zweifellos darauf aus sein zu erfahren, welche Behandlungsmöglichkeiten für Sie in Betracht kommen. Die Anzahl der Verfahren und Methoden, die zur Behandlung und Linderung dieses Zustands eingesetzt werden, mag zunächst schier überwältigend erscheinen. Welche Behandlungen und Eingriffe Ihr Arzt Ihnen anbieten wird, hängt jedoch von der Art der Symptome, unter denen Sie leiden, ab und wie stark diese ausgeprägt sind. Weitere Faktoren, die sich auf die Behandlung auswirken können, sind Ihr allgemeiner Gesundheitszustand und Ihre Lebensweise, aber auch der Umstand, ob Sie bereits zu einem früheren Zeitpunkt eine entsprechende Behandlung erfahren haben oder nicht.

Grundsätzlich wird Ihr Arzt versuchen, alle in Frage kommenden nicht-invasiven Optionen auszuschöpfen, bevor komplexere chirurgische Eingriffe in Erwägung gezogen werden. Wenn Sie jedoch mit nicht-operativen Therapien behandelt wurden und auf diese nicht mehr ansprechen oder wenn diese nicht ausreichen, um Ihre Mobilität und Ihren Komfort wiederherzustellen, müssen Sie möglicherweise eine Operation in Betracht ziehen.

Operative Behandlungsoptionen

Bei einer Kniegelenksarthrose stehen die folgenden drei Optionen zur Auswahl:

  1. Osteotomie
  2. Arthroskopie
  3. Kniegelenkersatz

Alle diese Optionen haben unterschiedliche Vorteile und eignen sich für unterschiedliche Anforderungen und Szenarien. So kann beispielsweise eine Behandlung, die für einen Freund als geeignet erachtet wurde, für Sie völlig unangebracht sein, da sämtliche Behandlungsoptionen voll und ganz von Ihren einzigartigen medizinischen und sozialen Umständen abhängen.

Arthroskopie

Hierbei handelt es sich um eine Art von Schlüssellochchirurgie, die für die Diagnostizierung von Problemen in Ihrem Kniegelenk eingesetzt wird. Die meisten Probleme, die im Rahmen eines solchen Eingriffs aufgedeckt werden, können vom Chirurgen direkt behandelt werden. Der Eingriff wird in der Regel unter Vollnarkose durchgeführt. Bei Patienten, die keine Narkose vertragen, kann aber auch eine Lumbalanästhesie eingesetzt werden. Durch einen kleinen Einschnitt wird ein kleines Metallröhrchen („Arthroskop“) eingeführt, und eine winzige Kamera im Inneren des Röhrchens sendet Bilder auf den Bildschirm des Chirurgen, anhand derer er erkennen kann, wie es um Ihr Kniegelenk steht.

Je nachdem, was der Chirurg findet, kann er in der Regel an Ort und Stelle sofort korrigierend eingreifen. So kann er beispielsweise eine Lavage (Spülung) durchführen, bei der mit einer Kochsalzlösung das Gelenk gereinigt und von abgelöstem Gewebe befreit werden. Debridement ist ein weiteres Vorgehen, das in diesem Stadium häufig eingesetzt wird. Hierbei wird überschüssiges Gewebe, das Entzündungen und Schmerzen verursachen kann, „abgesaugt“. Ziel des Debridements ist es, die Knorpeloberflächen glatt und sauber zu hinterlassen.

Möglicherweise plant Ihr Arzt die Durchführung einer arthroskopischen Meniskektomie. Dieser Eingriff wird erforderlich, wenn ein Riss im Meniskus (fibröse Knorpelmembran im Knie, die die Gelenkhöhle partiell teilt) vorliegt. Ein (akuter oder chronischer) Meniskusriss ist eine häufig auftretende Verletzung. Bei einem schwerwiegenden, akuten Meniskusriss, der mit Physiotherapie nicht adäquat behandelt werden kann, kann der Arzt eine Meniskusoperation in Betracht ziehen. Wenn Ihr Alter, Ihr allgemeiner Gesundheitszustand und Ihre Knieanatomie dafür sprechen, dass sich Ihre Menisken wahrscheinlich gut von einem Eingriff erholen werden, kann hierfür eine Meniskusteilentfernung (partielle Meniskektomie) in Betracht gezogen werden. Andernfalls wird eine vollständige Meniskektomie angeboten, bei der der nicht mehr richtig funktionierende Meniskus entfernt wird.

Ein weiteres bei der Behandlung von Knieproblemen sinnvoll einzusetzendes arthroskopisches Verfahren ist die Synovektomie (Abtragung der Gelenkinnenhaut). Bei der Gelenkinnenhaut oder Synovialhaut handelt es sich um eine Art von Bindegewebe, das die Gelenkkapsel auskleidet. Dieses Gewebe sondert Synovialflüssigkeit (Gelenkschmiere) ab, die die Gelenke beweglich hält und sie effizienter arbeiten lässt. Wenn Sie jedoch einen Tumor oder eine Arthrose entwickelt haben, ist möglicherweise eine Synovektomie indiziert, um die betroffene Gelenkinnenhaut im Knie zu entfernen.

Osteotomie

Die Osteotomie ist ein gänzlich anderes Verfahren als die Kniearthroskopie. Sie zielt darauf ab, die Grundursache der Arthrose anzugehen, anstatt ihre Symptome zu behandeln. Bei einer Osteotomie wird die Fehlstellung identifiziert, die zur Entstehung von Knieproblemen geführt hat. Diese Fehlstellung wird dann korrigiert, oft durch die Entfernung eines Knochenkeils aus dem Schienbein (Tibia), um den Druck gleichmäßig auf die Ränder des Kniegelenks zu verteilen. Der Knochen wird dann mit einer Metallplatte stabilisiert.

Eine Osteotomie wird durchgeführt, um einen Kniegelenkersatz zu vermeiden oder um andere Verfahren wie die Meniskektomie oder die Synovektomie zu unterstützen. Wenn nichts unternommen wird, um die Hauptursachen der Arthrose und der damit zusammenhängenden Knieprobleme zu beheben, werden Maßnahmen zur Knorpelerneuerung wie Lavage und Debridement ebenso wie Korrekturmaßnahmen wie Meniskektomie und Synovektomie auf lange Sicht erfolglos sein.

Woher weiß ihr Arzt, dass Sie eine Osteotomie und keinen arthroskopischen Eingriff oder einen offenen Eingriff am Knie benötigen? Wenn sich eine Fehlstellung der Knie entwickelt hat, bei der der Unterschenkel im Vergleich zur Oberschenkelachse nach innen abweicht (Varusstellung, O-Bein) und das auf dem Innenknie lastende Gewicht erhebliche Schmerzen und Mobilitätseinschränkungen verursacht, wird Ihnen möglicherweise zu einer Osteotomie geraten.

Anders als ein arthroskopischer Eingriff („Schlüssellochchirurgie“) erfordert eine Osteotomie einen mehrtägigen Krankenhausaufenthalt. Während dieser Zeit muss das Bein erhöht gelagert werden. Auch müssen Sie für einen Zeitraum von einigen Wochen nach der Operation Krücken verwenden und werden daher nicht aus dem Krankenhaus entlassen, bis ihr Arzt sich sicher ist, dass Sie damit zurechtkommen. Möglicherweise erhalten Sie nach der Operation eine Orthese, um Ihre Mobilität zu unterstützen und die Heilung zu fördern. Ein Physiotherapeut wird mit Ihnen zusammenarbeiten, um Ihnen zu helfen, nach der Behebung der Fehlstellung wieder gehen zu lernen, und um mit behutsamen Übungen und geeigneten Manipulationen das Heilvermögen des Knies zu maximieren. Möglicherweise dauert es sechs Monate bis ein Jahr, bis Sie den vollen Nutzen der Osteotomie erfahren, und der Eingriff hinterlässt eine Narbe.

Die „Ausfallzeit“ bei einer Osteotomie ist länger als bei einem arthroskopischen Eingriff. Sie können jedoch mit einer Osteotomie möglicherweise vermeiden, sich jemals einer Knieersatzoperation unterziehen zu müssen. Die Osteotomie kann somit gewissermaßen als eine Art vorbeugender Behandlung angesehen werden. Die Infektionsgefahr und die Wahrscheinlichkeit, dass die Operation langfristig keine Verbesserung der Lebensqualität bringt, sind deutlich geringer als bei einem Kniegelenkersatz.

Arthroskopische Eingriffe können nur unter ganz bestimmten Umständen durchgeführt werden. Wenn bei Ihnen eine bestimmte Verletzung oder ein bestimmter Kniedefekt vorliegt, wird die Arthroskopie eingesetzt. Wenn Arthrose jedoch Ihr Knie über viele Jahre hinweg soweit geschädigt hat, dass Sie auch in Ruhe unter Schmerzen leiden, kommt für Sie möglicherweise ein Knieersatz in Betracht. Ihr Arzt wird versuchen, alles in seiner Macht stehende zu tun, um dies so lange wie möglich zu vermeiden, da die Lebensdauer eines Knieersatzimplantats nur fünfzehn bis zwanzig Jahre beträgt. Nach dieser Zeit muss das Implantat wahrscheinlich ersetzt oder einer Revision unterzogen werden. Daher wird jüngeren Patienten oft zuerst zu einer Osteotomie geraten. Eine Osteotomie kann allerdings auch dazu führen, dass, wenn zu einem späteren Zeitpunkt ein Knieersatz erforderlich wird, ein entsprechender Eingriff nicht mehr durchgeführt werden kann. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn der Arzt bei der Durchführung der Osteotomie das Innenband durchtrennen musste.

Kniegelenkersatz

Ist ,die Arthrose so weit fortgeschritten, dass Schmerzmittel, Ernährungsumstellung und Bewegung keinerlei Wirkung mehr zeigen, und sind alle anderen Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft, wird Ihnen ein Knieersatz angeboten. Ein chirurgischer Kniegelenkersatz kann teilweise oder vollständig sein. Ein teilweiser Kniegelenkersatz wird auch als unikompartimenteller Kniegelenkersatz bezeichnet, da nur ein Bereich des Knies ersetzt wird. Der fragliche Bereich richtet sich danach, welcher Bereich des Kniegelenks am meisten geschädigt ist. Es gibt mediale (Innenknie), laterale (Außenknie) und patellofemorale (Kniescheiben-Oberschenkel-Bereich) Implantate.

Teiloperationen sind weniger invasiv und erfordern daher eine kürzere Genesungsdauer als ein vollständiger Kniegelenkersatz. Bei einem teilweisen Ersatz besteht jedoch eine größere Gefahr der Notwendigkeit eines Revisionseingriffs als bei einem vollständigen Ersatz. Ihr Arzt wird die Vor- und Nachteile der einzelnen Optionen abwägen und unter Berücksichtigung Ihres allgemeinen Gesundheitszustands entscheiden, welche die beste Vorgehensweise ist.

Bei einem teilweisen Kniegelenkersatz eröffnet der Chirurg Ihr Knie, während Sie sich in Vollnarkose oder unter Lumbalanästhesie befinden. Nachdem er entschieden hat, welcher Bereich ersetzen soll, entfernt er die beschädigten Teile und ersetzt sie durch Metallkappen, die mit Zement befestigt werden und durch „Kunststoffknorpel“ voneinander getrennt sind.

Ihr Knie kann durch Arthrose so stark geschädigt sein, dass Ihr Alltag schwierig geworden ist. Der Arzt kann beschließen, einen vollständigen Kniegelenkersatz durchzuführen, sofern Sie fit genug sind, um eine vollständige Genesung zu erreichen. Dieser Eingriff dauert drei Stunden unter Vollnarkose oder Lumbalanästhesie, und die Genesungsdauer ist beträchtlich. Ungeachtet dessen wird ein endoprothetisches Kniegelenk voraussichtlich fünfzehn bis zwanzig Jahre halten, bevor eine Revision erforderlich ist. Patienten können also ihr Leben weiterführen, ohne sich Gedanken hinsichtlich weiterer Operationen in nächster Zeit machen zu müssen.